Das Wort "Dschihad" wird oft mit "Heiliger Krieg" übersetzt. Es gibt überhaupt keine Grundlage im Islam, die das rechtfertigen würde. Muslime benutzen das Wort "Dschihad" mit völlig anderer Bedeutung.



Dschihad - der "Heilige Krieg"?

Immer wieder taucht in den Medien der Begriff vom islamischen „Heiligen Krieg“ auf. Das soll die angebliche Übersetzung des arabischen Wortes „dschihad“ (oder „jihad“) sein. Dabei bedeutet "dschihad" nichts anderes, als "sich abmühen", "sich Mühe geben für etwas" oder "streben nach etwas". Es beinhaltet den unermüdlichen Einsatz jedes einzelnen Muslim, gegen sein eigenes niederes Selbst, das zum Bösen verleitet, und ist zu verstehen als der permanente ethische Auftrag des Individuums, sich selbst zu verbessern und Gutes zu tun für die Gesellschaft. Laut Koran:

"Und setze dich mit aller Kraft dafür ein ("dschihad"), dass Gott Gefallen an dir findet, so intensiv, wie es nur geht, und wie es Ihm gebührt. Er hat euch erwählt und euch keine Härte in Glaubensangelegenheiten auferlegt; folgt dem Bekenntnis eures Vaters Abraham." (22:78)

In diesem Vers wird der Muslim aufgefordert, sich um Gottgefallen zu bemühen und Abraham als Vorbild zu folgen. Es ist erst eine relativ späte Entwicklung, dass mehr und mehr weltliche Kriege von den jeweiligen Kriegstreibern als „dschihad“ bezeichnet werden. Aber selbst heutige islamische Gruppierungen, die sich in einem erlaubten Verteidigungskrieg sehen, und die ihren Einsatz dafür als im Streben nach dem Gefallen Gottes enthalten sehen, betrachten die Hauptbedeutung des Wortes – den grossen „dschihad“ – als den Kampf gegen ihr eigenes niederes Ich. Muslime übersetzen „dschihad“ nicht mit „Heiliger Krieg“. Das Wort "heilig" in Verbindung mit Krieg existiert im Koran überhaupt nicht. Der Begriff "heilig" (auf arabisch "Haram") wird nur verwendet im Zusammenhang mit Gebetshäusern, z.B. die Heilige Moschee in Mekka (Masjid al Haram). Die Falschübersetzung ist eine westliche Erfindung, die im erst gegen Ende es 19. Jahrhunderts aufkam und meist verwendet wird, um den Islam zu diskreditieren. In letzter Zeit hat es sich langsam herumgesprochen, dass „Heiliger Krieg“ nicht die korrekte Übersetzung ist, und das Wort „Dschihad“ wird meist gar nicht mehr übersetzt. Die negative Konnotation des Begriffs in den westlichen Medien und das falsche Konzept eines angeblichen Kriegs zur Verbreitung des Islam ist aber weiterhin in den Köpfen. In der arabischen Sprache gibt es zwei Wörter für kriegerische Auseinandersetzungen: Das eine heißt "Kital" und bedeutet "Verteidigung gegen Angreifer" (siehe das Wörterbuch von Lane und die Wörterbücher Taj ul Arus und Lisan al Arab), das andere heißt "Harb" und umfasst alle anderen Arten von Krieg. Laut Koran ist Muslimen einzig und allein "Kital", also ein Defensivkrieg, erlaubt. Der Koran beschreibt in vielen Versen die Voraussetzungen eines solchen erlaubten Defensivkriegs. Danach ist die wichtigste Bedingung eine zuvor erfolgte Vertreibung aus den eigenen Häusern. So lauten zum Beispiel Sure 22:39 - 40:

Die Erlaubnis, sich zu verteidigen ("Kital"), ist denen gegeben, gegen die (grundlos) Krieg geführt wird, weil ihnen Unrecht angetan worden ist - wahrhaftig, Allah hat die Macht, ihnen beizustehen - all jenen, die ungerechterweise aus ihren Häusern vertrieben worden sind. (22:39-40)

Auch in Sure 2:216, in der es heißt: "Der Verteidigungskampf ("Kital") ist euch befohlen..." ist unmissverständlich ein Defensivkrieg gemeint. Die Sure 2:191 wird häufig aus dem Zusammenhang gerissen und - bewusst oder unbewusst - falsch ausgelegt:

"Verteidigt euch (-Kital) für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, aber überschreitet die Grenzen nicht, denn Allah liebt diejenigen nicht, die aggressiv handeln. Und tötet, wo immer ihr auf sie stosst, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben." (2: 190-191)

Auch dieser Vers ist keine Rechtfertigung für das wahllose Töten von Nichtgläubigen (wie es ironischerweise meist Nichtgläubige glauben machen wollen) sondern erlaubt nur Verteidigungshandlungen nach bereits begonnener Vertreibung durch die Gegner. Die Aufforderung "überschreitet die Grenzen nicht" ist ein Hinweis darauf, dass auch der Verteidigungsakt nicht unbarmherzig sein darf. In der Regel wird darin auf der Basis des Korans und der Sunnah das Verbot gesehen, Frauen und Kinder sowie Alte und Schwache zu treffen, Bäume und Felder zu zerstören sowie ein Friedensangebot auszuschlagen.

Die Feindseligkeit eines Volkes möge euch nicht dazu verleiten, anders als gerecht zu handeln. (5:8)

Wenn sie (die Feinde) zum Frieden geneigt sind, dann sei auch du ihm (dem Frieden) geneigt und vertraue auf Allah. (8:61)

Im Falle einer religiösen Verfolgung wird empfohlen, einer kriegerische Auseinandersetzung lieber durch Auswanderung aus dem Weg zu gehen. Ein solches Verhalten hat Prophet Mohammed selbst vorgelebt, indem er von Mekka nach Medina umgesiedelt ist und indem er einigen seiner Anhänger, die der Verfolgung durch Nicht-Muslime ausgesetzt waren, empfahl, nach Äthiopien auszuwandern. Und meist leicht widerlegbaren Behauptungen zum Trotz, hat auch Mohammed nicht ein einziges Mal einen Angriffskrieg geführt.

Allah lädt uns alle zu einem friedlichen Zusammenleben ein und leitet denjenigen, der es wünscht, auf den rechten Weg zum Ziel. (10:25)